Danke Brian Lace von Listerus & Partner für den Hinweis auf den Artikel aus der Welt am Sonntag über Bangalore. Nach allelei einseitigen Artikeln in der Vergangenheit, die in Indien entweder nur das Wachstum preisen oder die soziale Schere geißeln, spiegelt Thomas Heuzeroth die Wirklichkeit in ihrer indischen Komplexität und – aus unserer Warte – Widersprüchlichkeit sehr treffend wider.
Um es in der mir eigenen Vulgärsprache auszudrücken: Ich habe mich über ein Jahr in Bangalore gefragt “Ist Indien geil oder Scheiße?”. Heute weiß ich Indien ist geil und Scheiße. Und diese Gegensätze zeichnet der Reporter Absatz um Absatz sehr gut nach. Genau: Einerseits die allgemeine Hurra-Stimmung der aufstrebenden Mittelklasse, andererseits die desaströse Infrastruktur einer Stadt, die aus allen Nähten platzt. Ich habe den Schilderungen aus dem Artikel nichts hinzuzufügen, außer dass für die meisten Besucher aus dem Westen beim ersten mal in Bangalore eine Welt zusammenbricht, weil das marode Erscheinungsbild der Stadt so gar nicht der gedanklichen Vorstellung eines “Silicon Valley von Asien” entsprechen mag. Hat man aber die Gelegenheit, beispielsweise den Infosys Campus auf der Hosur-Road zu betreten, so glaubt man sich ohne Übertreibung urplötzlich auf einem anderen Planeten.
Der Artikel ist auch deshalb ausgesprochen gut, weil er die Dinge einfach in ihrem indischen Kontext belässt, und gar nicht erst versucht – wozu Deutsche gerne neigen – aus der vermeintlichen Absolutheit, mithin unumstößlichen Richtigkeit der eigenen Lebenswelt, belehrende Bewertungen auszusprechen. Mit einer Erfahrung von über zwei Jahren in Bangalore, teile ich freilich die Einschätzung vieler Inder: “This City has gone from bad to worse”, und so wie in dem Artikel beschrieben schaut’s aus im schönen Bangalore. Ist es manchmal mühsam? Absolut. Bereue ich es deshalb hier zu leben? Keine Sekunde!



Über westliche Frauen in Indien
Technorati ist als Blog Suchmaschine absolut smart gebaut, weil die Engine die Sprache des Blog-Eintrags automatisch erkennt und dann entsprechend filterbar macht. So konnte ich ruckzuck meinen deutschen Eintrag von gestern aufspüren. Ein paar Treffer…